Kommentare anderer
Dr. Walter Dillenz
Herr Gumplmair
Mag. Martin Sturm
Dr. Reinhard Dyk
Gerhard Hasenöhrl
Dr. Josef Pühringer
Hannes Leopoldseder
Reinhard Buchinger


Personen des öffentlichen Leben waren während des Pilotversuchs "Vorlauf" zu Gast im Studio des Freien Radio FRO. Im folgenden Auszüge aus der Interviewserie von Alexander Baratsits.

Dr. Walter Dillenz (Geschäftsführer des VDFS, Urheberrechtsexperte; von den Liberalen für die Regionalradiobehörde nominiert):

Ich habe mit den Radios insofern schon von Anfang an zu tun gehabt, als ich unter den Juristen war, die diese Beschwerde in Straßburg betrieben haben.

Es ging um folgendes: die Lentia 2000 war der absolute Pionier in österreich beim Versuch, senden zu können. Und zwar in sehr bescheidenem und beschränktem Ausmaß, nämlich ein Wohnblockfernsehen zu machen, wo man den Mietern und den Geschäftsinhabern dieses Wohnblocks sagen wollte, was es Neues im Haus gibt - Dinge von regionalem Interesse.

In Straßburg ist die Menschenrechtskommission und dann auch die Europäische Kommission für Menschenrechte, die darüber wachen, daß die europäische Menschenrechtskonvention eingehalten wird. Da gibt es eben diesen berühmten Artikel 10: Informationsfreiheit. Und die haben dann eben befunden, daß die österreicher dadurch, daß sie nur den ORF senden lassen, gegen diese Informationsfreiheit verstoßen haben. Man kann es kraß formulieren - wir haben eine Menschenrechtsverletzung begangen - und das stimmt auch.

Herr Gumplmair (ÖGB Sekretär der Landesexekutive):

zum Freien Radio FRO:

Wir sind erwartungsvoll gespannt, um das pauschal zu sagen, und wünschen viel Glück und hoffen, daß Ihr durchhaltet, das ist auf den Punkt gebracht. Natürlich schafft dieses Privatradiogesetz nicht die Voraussetzungen für so freie Initiativen. Wir hätten uns ganz was anderes gewünscht, nämlich daß ein Privatradiogesetz geschaffen wird, das den Medienmonopolen nicht noch mehr Macht und Einfluß sichert, sondern wenn schon, dann zumindest so, wie in einigen Bundesländern in der Bundesrepublik, wo ein Privatradiogesetz gemacht wird, das die kommerziellen Sender verpflichtet, private Initiativen zu unterstützen. Also wir hätten große Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen.

Zur Geldfrage:

Das ist ja die Riesensauerei, nicht? Denen, die die Cash haben, die ohnehin - wie der Herr Kronenzeitungsbesitzer - im Jahr 50 Millionen Schilling verdienen, denen gibt man noch ein Medium in die Hand, damit sie noch mehr verdienen können und noch mehr ihre Meinung als die eigentliche den Menschen aufdrücken können. Basisgruppen dagegen sind auf Subventionen, auf Bettelgänge angewiesen, müssen sich mit zum Teil unzulänglichen Mitteln herumschlagen - das ist eben die Sauerei, aber da ist bei der derzeitigen Regierungskonstellation einfach nichts durchzusetzen.

Mag. Martin Sturm (Leiter des Offenen Kulturhauses):

Ist das Medium tot?

Nein, das Medium ist sicher nicht tot und das Medium hat sicher eine ganz große Zukunft, weil es ja allerortens zu beobachten ist, daß es einen ungeheuren Zuwachs gerade an medialer Information gibt, daß wir ja nur mehr von Bildern leben. Die Lärmglocke oder die Klangglocke, die erleben wir ja auch tagtäglich in unserer Stadt. Insofern hat das sicher große Zukunft, aber wie gesagt, das hängt eben sehr viel davon ab, wie man es anlegt, wie man es macht, daß die Leute das interessant finden, ohne daß man seine eigenen Ansprüche aufgibt.

Ist für das Offene Kulturhaus Freies Radio interessant?

Das Offene Kulturhaus ist sicher interessiert. Es wird sich einfach einmal sehr genau anschauen, was Ihr anbieten könnt. Dann werden wir uns überlegen, in welcher Weise wir uns da auch präsentieren können. Ein offener Kanal ist prinzipiell einmal wichtig - daß man zu den Informationen kommt, daß man zu den Geräten kommt - aber wie der genutzt wird, ist entscheidend. Das ist ja auch bei unserer Arbeit so, Künstlerprojekte gibt es genug. Die Frage ist immer, welcher Künstler produziert dann und welche Qualität hat sein Produkt, und die gleiche Frage wird sich früher oder später auch im Radio stellen.

Dr. Reinhard Dyk (Kulturstadtrat Linz):

zum Pilotversuch Radio "Vorlauf":

Ich bin sehr überrascht, was in kurzer Zeit hier im Rahmen dieses Pilotversuchs an Installationen geschaffen wurde, und daß hier via Radio, via Kabel eine Versorgung von Bewohnern in Urfahr - zwar sehr begrenzt - erfolgt. Ich bin sehr angetan von dieser Arbeit.

... zum anderen müssen wir auch über das Konzept eines Bürgerradios weiterreden, inwieweit hier auch andere Gruppen eingebunden werden sollen und können, inwieweit hier die Vielfalt gewährleistet ist. Soweit ich das gesehen habe, treten ja schon einige Bürgerinnen und Bürger hier im Radio auf, bringen ihre Beiträge. Einige Gruppen haben sich schon angemeldet, daß ein Statut gemacht wird, welches diese Bürgerrechte auch verankert. Und die für mich wichtigste Frage als Kommunalpolitiker ist die Frage der Finanzierung, und da müssen noch sehr intensive Gespräche geführt werden, inwieweit auch andere Finanzierungsquellen - Sponsoren - miteingebunden werden können, damit eben ein Betrieb auch auf einer gesunden Basis stehen kann.

Gerhard Hasenöhrl (Pressesprecher von LH Dr.Pühringer):

Radio Vorlauf wurde aus Miitteln des Kupf - Innovationstopfs, einer Förderung der Landesregierung, unterstützt.

Das Land Oö hat das Projekt aus Kulturmitteln unterstützt und ich glaube, daß diese einmalige Subvention auch durchaus auf fruchtbaren Boden gefallen ist und mit dazu beigetragen hat, daß dieses Radioprogramm auch wirklich durchgeführt werden konnte, und daß es jetzt läuft. Aber ich habe schon gesagt, das ist eine einmalige Subvention gewesen, sie kann die Frage der Finanzierung eines freien, nichtkommerziellen Radios nicht ersetzen. Dafür sind ganz andere Finanzierungsmodelle notwendig und das ist sicherlich eine Frage, die das Freie Radio hier in Linz selbst beantworten muß - ich persönlich glaube, daß man ohne Finanzierung auf privater Basis da langfristig nicht über die Runden kommen wird, weil eine Subventionshöhe, die zur Gänze den Radiobetrieb ein ganzes Jahr über ermöglichen würde, bestimmt nicht möglich ist - also eine Finanzierung außerhalb öffentlicher Haushalte scheint mir eine Grundvoraussetzung zu sein.

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer:

Ich halte freies, nichtkommerzielles Radio für gut und wichtig, allerdings kann ich noch nicht sagen, wen die Landesregierung unterstützen wird, da ich noch nicht weiß, wie das Regionalradiogesetz aussehen wird. Vor allen Dingen bin ich nicht die Landesregierung, sondern nur ein einfaches Mitglied, aber natürlich bin ich grundsätzlich für Freies Radio.

Hannes Leopoldseder (Intendant Landesstudio Oö):

Das Landesstudio Oö betreibt ein "Offenes Radio-Fenster", jeden Sonntag von 19 bis 20 h.

Wir überlegen, sollen wir es ausweiten oder sollen wir es einstellen, aber einstellen werden wir es auf alle Fälle nicht, bis sozusagen ein nächster Schritt auf dem Radiomarkt kommt, wenn das Regionalradiogesetz beschlossen ist, und wenn es dann eine Reihe von Radios gibt. Wenn es z.B. auch freie oder kulturelle, nichtkommerzielle Radiostationen gibt, dann macht es sicher bei uns keinen Sinn mehr, daß wir eine vermehrte Schiene machen. Wir würden sicher dann mit den nichtkommerziellen Stationen dort, wo es von Nutzen für beide ist, durchaus bestimmte Kooperationen eingehen. Denn den gesamten kulturellen Bereich, insbesondere lokal, können wir sowieso nicht abdecken. Daher ist für uns eine Zusammenarbeit, wenn es zu mehreren kulturellen nichtkommerziellen Programmen kommt, sinnvoll.

Reinhard Buchinger (Landesgeschäftsführer der SPö Oberösterreich)

Mein erster Eindruck war, daß ihr Meister der Improvisation sein müßt, weil ihr mit sehr geringen Mitteln sehr viel auf die Füße stellt. Das ist schon sehr bewundernswert, da ist enorm was zustande gekommen. Es fasziniert mich nach wie vor die Idee, daß ihr einfach offen seid für alle, die selbst mit dem Medium Radio experimentieren wollen, die mit dem Medium arbeiten wollen, und die bei euch die Möglichkeit haben zu senden. Das halte ich für eine spannende Idee, die unbedingt notwendig ist, wenn man von Medienvielfalt spricht.