Copyleft statt Copyright
Von GNU (Gnu's not Unix) zu Linux

Mit Software-Produkten ist mittlerweile enorm viel Geld zu machen. Allerdings bestimmt hier nicht immer die Qualitaet des Produktes, sondern eher die Qualitaet des Marketings die Kapital-Dimensionen der Hersteller. Sehr viel Software wurde von Leuten entwickelt, die nicht an der Vermarktung interessiert waren, sondern am Experimentieren.

Einer von ihnen ist Richard Stallman, in den 70er Jahren Mitarbeiter am Artificial Intelligence Laboratory des MIT (Massachusetts Institute of Technology). Er war einer jener "Hacker", die der unumstoesslichen Ueberzeugung waren, dass powervolle Computer, freie Software und freie Information zum Wohl der Gesellschaft notwendig seien.

In einem Vortrag am Royal Institute of Technology In Schweden, Oktober 1986, erzaehlte er von der Situation am AI in den 70er Jahren. Enthusiastische "Hacker" waren daran interessiert, gute Programme zu schreiben und dafuer sollte allen alles zugaenglich sein. Eine Kultur der "smoothly functioning anarchy", wie Stallman sie nennt.

siehe dazu: http://www.gnu.org/philosophy/stallman-kth.html

Mit der Kommerzialisierung von Software aenderte sich die Situation am MIT. Die guten Programmierer wurden abgeworben. Die Hacker Community mit ihrer Kultur zerfiel. Richard Stallman verliess das AI Lab, rief das GNU (Gnu's Not Unix) Projekt ins Leben und gruendete die Free Software Foundation (FSF). Eine Gegenmassnahme zur Lizenzpolitik von kommerziellen Software-Herstellern. Entwickelt wurde ein UNIX-kompatibles Software System. Die unter dem Namen GNU vertriebene Software ist vollkommen frei kopierbar und nutzbar, solange die dazugehoerigen Quellcodes mitgegeben werden.

"Copyleft" statt "Copyright" lautet die Philosophie. "'Free software'' is a matter of liberty, not price. To understand the concept, you should think of 'free speech', not 'free beer.' ... 'Free software' refers to the users' freedom to run, copy, distribute, study, change and improve the software." (http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.html). Im GNU manifesto, das Stallman verfasste, um fuer Mitarbeit zu werben, schreibt er zu seiner Vision: "Once GNU is written, everyone will be able to obtain good system software free, just like air." http://www.gnu.org/gnu/manifesto.html

Anfang der 90er Jahre begann dann die Geschichte von LINUX. Der Finne Linus Torvalds entwickelte einen rudimentaeren Kern fuer ein Betriebssystem und stellte ihn dem Internet zur Verfuegung. Wiederum griffen weltweit Programmierer die Idee auf und trugen ihren Teil zur Weiterentwicklung bei. Kombiniert mit dem Softwarepool der FSF entstand in wenigen Jahren ein stabiles Betriebssystem, das mittlerweile zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz fuer kommerzielle Softwareanbieter geworden ist.

siehe dazu: http://www.wired.com/wired/5.08/linux.html



Chris J. Mutter, Sysop bei servus.at/Linz und Netzwerktechniker beim silverserver/Wien in einem Mailinterview ueber die Vorteile Freier Software.

> 1. seit wann beschaeftigst du dich mit computern

Ich arbeite aktiv mit Computern seit ich 14 Jahre alt bin. Meine ersten Computer waren ein Sinclair Spectrum ZX81 (Damals bereits mit Kopplung an den Farbfernseher) und ein PC1403 auf dem ich ein wenig Assembler und Basic programmierte. Mein Vater und ich gingen dann ueber auf einen PC-XT und um einiges spaeter begann ich dann mit Unix (hauptsaechlich Linux). Das Spannende an computern ist IMO (in my opinion), dass man einem doch recht leblosen Ding etwas einhaucht, was entfernt an "Leben" erinnert. Dass man einem Gebilde aus IC's (Integrated Circuits) etwas "beibringt" und eventuell sogar damit etwas Kreatives schaffen kann.

> 3. wieso linux? was sind die vorteile davon?

Prinzipiell kann man von einer hoeheren Stabilitaet sprechen, was wichtig fuer den Betrieb von Internet Servern ist. Weiters reizt ein Unix System wie Linux eines ist, die Hardware eines Computers 100% aus und ermoeglicht es mehreren Usern (nennt man Multiuserfaehigkeit) mehrere Programme gleichzeitig auszufuehren (nennt man Multitasking Faehigkeit). Linux ist ein nichtkommerzielles Unix Betriebssystem, das den vollen Befehlssatz anderer kommerzieller Unice wie HP-UX, IRIX, *BSD, SCO, Solaris, SunOS,... beinhaltet und nach mittlerweile ca. 5 Jahren Entwicklungszeit wirklich sehr brauchbar auf der PC Architektur (i386) laeuft. Linux kostet praktisch nichts, wenn man es aus dem Internet downloaded bzw. nur sehr wenig, wenn man installierbare CD's von Redhat/SuSE/DLD oder Slakware kauft. (Ca. 10% von kommerziellen Betriebssystemen wie Windows NT). - Man braucht sich nicht mit Lizenzen rumschlagen, sondern kann im Prinzip sofort loslegen. Last but not least ist die Fernwartbarkeit ein grossen Plus was bei anderen Systemen wie Windows NT oder MacOS komplett wegfaellt.

> 4. wie ist linux entstanden. wie entwickelt es sich weiter?

Linux wurde am Beginn von Linus Torvalds ins Leben gerufen. Er programmierte einen Mini Kernel (Kernel == Betriebssystem Kern, der alle anderen Teile des Computers synchronisiert und steuert), den er auf dem Usenet postete und Leute aufrief, sie koennen damit tun was sie wollen und das Teil erweitern. Prompt fanden sich sehr viele Computer Profis, die dran weiterprogrammierten und schon bald darauf gab es erste Linux Distributionen wie Slakware die man auf einem PC installieren konnte. Heute umfasst eine typische Linux Installation an die 300-500MB Speicher auf der Festplatte und beinhaltet von Manpages (Hilfstexte zu jedem Befehl) ueber X-Windows (der Graphischen Benutzerschnittstelle) hin bis zu Datenbanken und Programmierumgebungen.

Man kann die Entwicklung im Moment noch nicht so richtig absehen denk ich mir mal. Immer mehr Computer Benutzer, die in der Firma gezwungen sind, Micro$oft Produkte zu verwenden haben daheim ihre PCs auf Linux am Laufen. Wenn es so weitergeht wie bisher und Pakete wie KDE (Anspielung auf CDE == Common Desktop Environment) immer besser und stabiler werden, waer es moeglich, dass man Linux schon bald als Konkurrenzprodukt zu M$-Windows 9x/NT in den Regalen sehen wird.

> 5. was ist das problem bei microsoft?

Das Hauptproblem bei Micro$oft ist, dass diese Firma versucht, alles an sich zu reissen und die absolute Macht auf dem Gebiet Software zu erreichen. Es wird sich nicht nur mit Software abgegeben. Man kauft digitale Bildrechte von zum Beispiel Institutionen wie dem Louvre in Paris und betreibt auch schon eigene Satelliten. Ich sehe hier eine echt grosse Gefahr, denn es kann nicht gut sein, dass eine Firma dieser Groesse so grosse Macht innehat.

> 6. gibt es andere interessante freie software?

Ich fuer meinen Teil interessiere mich im Moment sehr an den *BSD Projekten. BSD ist die Abkuerzung fuer Berkley Software Distribution. Es gibt wie bei Linux verschiedene Flavours. BSD unterteilt sich in NetBSD, FreeBSD, OpenBSD und BSDi (kommerziell). Alle 3 sind straighte Unix Arten, die von vorn bis hinten durchgestylt sind. Robustes schnelles System.

Daneben gibt es GNU Software. Es gibt jede Menge an GNU Utilities und Programmen, unter anderem ein plattformunabhaeniger C/C++ Compiler, der auf fast allen gaengigen Plattformen laeuft.

In anderen Bereichen, wie zum Beispiel Textverarbeitung und Bildbearbeitung, gibt es mittlerweile auch schon recht gute Alternativen. Hier nur ein paar aufgezaehlt, die groesstenteils gratis sind:

Office Komplettpakete: Staroffice, Applixware 4.3
Bildbearbeitung (aehnlich Photoshop): GIMP 1.0, xpaint, xv, xfig, Blender (3D Rendering Software, sehr gut!)
Internet: Netscape Mozilla (5.0), Apache Webserver, Roxen Webserver, Real Audio Server, Zmailer (Internet High Performance Mail Server)
Entwicklungsumgebungen: Sun JDK (Java Development Kit), kaffee, GCC (Gnu C Compiler)
Sehr brauchbar ist auch noch OpenDOS von Caldera. Ein MS-DOS Substitut, das sehr schnell laeuft und Sachen wie Multitasking beherrscht.

Chris J. Mutter ist auch Verfasser der M$-Hate Page www.enemy.org